Angst

Berge sind wunderschön, aber sie machen auch Angst. Vor allem wenn man weiß, wie es dort oben aussieht, was es bedeutet oben zu stehen an einem schmalen Grat und ihn überklettern zu müssen, können, dürfen. Wie ein Elefant auf einem Drahtseil komme ich mir dabei manchmal vor. Jede Bewegung ist gut durchdacht, ich denke nichts. Ich konzentriere mich auf den Fuß, dann auf den nächsten, dann kommt die eine Hand und schließlich die andere. Wie in einer Naturdokumentation in Slow-Motion. Aber nur so geht es. Die Angst kommt hoch. Ich empfinde sie. Ist knapp davor mir meine Konzentration zu rauben, mich hier festzuhalten. Aber das darf nicht passieren. Atmen… tief einatmen… langsam ausatmen… meine Gedanken gehen wieder zu meiner Hand. Weitergreifen, weitersteigen… nicht stehenbleiben, sonst kommt die Angst vielleicht wieder. Selbst wenn ich diese Zeilen schreibe bekomme ich rutschige Hände. Der Blick in den Abgrund, das brüchige Gestein, rutschige nasse Stellen. Eis und Schnee. Meine persönliche Angstvorstellung ist es ohne meine Hände benutzen zu können mit Steigeisen auf einem schmalen Grat zu gehen. Dennoch mache ich es. Weil ich den Gipfel mehr erreichen möchte, als ich die Angst zulasse. Und jedes Mal geht es ein kleines bisschen besser…

Bravery is not the absence of fear. Bravery is feeling the fear, the doubt, the insecurity, and deciding that something else is more important. (Mark Manson)

Ich würde mich nicht als besonders mutig bezeichnen. Aber man lernt mit der Angst umzugehen. Manchmal ist die Angst sogar eher dann mein Begleiter, wenn ich erst am Anfang der Tour bin und noch nicht mal ansatzweise in schwierigem Gelände. Denn ich weiß was passieren kann. Und manchmal bekommt man das Gefühl seinem Schicksal entgegenzulaufen. Wie wenn es nur darauf wartet, dass man wieder auf eine Tour geht, um sich dann im Hinterhalt zu verstecken und dann anzugreifen, wenn man glaubt bereits in Sicherheit zu sein. Aber davon darf man sich nicht abhalten lassen.

The fears we don’t face, becomes our limits. (Robin Sharma)

Ich möchte mein Leben selbstbestimmt führen. Mein Kopf sagt mir welche Touren möglich sind und mein Körper zeigt mir was ich schaffen kann. Die Gefühle und Instinkte sind in der Situation an sich sehr wichtig, sie helfen uns zu überleben. Angst ist ebenso wichtig. Dennoch muss man sich überlegen wie rational die Angst gerade ist die man verspürt. Wie gefährlich ist die Situation objektiv betrachtet? Früher haben wir uns ja ebenso vor den Monstern in unserem Schrank gefürchtet, oder vor der Dunkelheit, oder haben immer noch Angst vor Spinnen, obwohl wir genau wissen, dass diese Angst unbegründet ist. Diese Angst muss man ablegen, sie blockiert und macht einen unfähig rational zu denken, voranzukommen.

Courage doesn’t mean you don’t get afraid. Courage means you don’t let fear stop you. (unbekannt)

Was machst du hier?

Ich bin die Angst.

Warum bist du hier?

Weil du mich brauchst.

Ich komme auch ohne dich zurecht.

Aber weist du dann auch wann es besser ist aufzuhören? Wo deine Grenzen sind? Wo du nicht weitergehen solltest?

Nein das werde ich nicht mehr wissen wenn du nicht mehr da bist.

Darum bleibe ich bei dir. Ich bin manchmal lauter und manchmal leiser. Ich bin hier. Ich bin dein Freund. Ich erinnere dich daran dass du aufpassen musst, weil es gefährlich ist. Manchmal wird es dir lächerlich vorkommen, dass ich da bin, aber ich möchte, dass du am Leben bleibst. Ich passe auf dich auf.

Das will ich auch. Danke. Jetzt musst du aber leiser sein, damit ich mich konzentrieren kann… einatmen… ausatmen…

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